Pilzbücher von Jochen Gartz



„Heute vormittag kam ein Anruf von deinem Vater.

Er war aufgebracht bis zum Anschlag, als er sagte, daß sein unfähiger Sohn Scheiße gebaut habe und daß das die Firma eine Menge Geld kosten würde. Der hatte sein Auto im Kopf und sein Grünzeug, sonst nichts.
Er würde jetzt nach Frankreich fahren, um „zu retten, was zu retten ist“.
Als ich ihn fragte, was mit dir sei, hat er gesagt: „den wirst du schon unversehrt wiederkriegen. Unkraut vergeht nicht.
 Wenn er dich anruft, dann kannst du ihn aufsammeln. Er ließ mir keine Gelegenheit nach dem Wo und Warum zu fragen. Völlig außer sich röhrte er, daß ihn deine Mutter begleiten muß, um die Trümmer, die du fabriziert hättest, wieder aufzuklauben. Im Normalfall, so sagte er noch, könnte man ja damit rechnen, daß die Schwiegertochter helfen würde, aber ich wäre mir ja zu fein, um irgendetwas für die Firma zu tun. Ich könne ja nur abkassieren und auf seine Kosten ein Leben führen wie die Made im Speck. Mit diesen Worten legte er auf. Ich hatte keine Chance, etwas zu sagen, etwas zu fragen oder etwas zu tun. Mir blieb nur das Warten übrig. Den Rest kennst du ja.“
„Zur Genüge.“
„Ich sage dir jetzt etwas und ich sage das nur einmal:
Du hast bis Ende November Zeit, um reinen Tisch zu machen.
Wenn du den Mut zur Wahrheit findest, werde ich dich dabei kompromißlos unterstützen.
Nach ergebnislosem Ablauf der Frist werde ich aus unserer gemeinsamen Wohnung ausziehen.“
Es geht nach einer kleinen Pause andernorts weiter.

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