Pilzbücher von Linus Zeitlmayr



Gundula Häubling fuhr mit rotgeweinten Augen im Taxi nach Hause,
einen Abschiedsbrief ihres Sohnes in der Hand haltend. Der Bestattungsunternehmer hatte ihn in seiner Jackentasche gefunden und der Mutter ausgehändigt. Es stand nichts drin, was sie nicht schon gewußt oder zumindest geahnt hätte. Der Inhalt würde vorerst ihr Geheimnis bleiben. Es war besser so.
Ihre Zeit des Handelns würde auch bald gekommen sein.
Die Umsätze an Häubling´s Stand waren an diesem Tag nicht der Rede wert.
Die Unbilden, die ihm sein Sohn noch mit der letzten Aktion seines Lebens beschert hatte, bewirkten eine grimmige Verdrossenheit, die sich nicht gerade verkaufsfördernd auswirkte. Morgen und vielleicht sogar an einigen weiteren Tagen würde der Markt sogar ganz ausfallen müssen, weil ab dem nächsten Tag ja die Hauptverhandlung beginnen würde. Normalerweise würde, wenn der Chef unabkömmlich wäre, wenigstens der Junior zur Stelle sein. Aber so... Keine Gelegenheit also, das am Montag in Paris erworbene Obst und Gemüse an den Mann zu bringen. Welche Verluste.
Immerhin würde das Tribunal morgen ohne Karljohan stattfinden müssen und dieser Umstand konnte für den Hauptangeklagten nur von Vorteil sein. Es ist bezeichnend, daß die Reihenfolge der Gedanken von Werner Häubling so war und nicht andersherum.
Nein, wirkliche Sorgen machte er sich auch jetzt nicht.
Nicht wegen der Verhandlung und nicht wegen des Selbstmordes.
Die Pilzvergiftung würde ihm nichts anhaben können, jetzt schon gar nicht mehr.
Gleich gehts weiter
Tintling 2002