Pilzbücher von Taylor Lockwood



Der zweiundvierzigjährige Heribert Aschenbach
hatte von all dem nichts mitbekommen, obwohl er während der ganzen Zeit kaum einen halben Kilometer vom Ort der Tragödie entfernt war. An einem Donnerstag um neun Uhr wurde er in einen der Operationssäle für sogenannte „Große Eingriffe“ geschoben. Er sollte heute eine Spenderniere bekommen. Die von Tobias.

Es war äußerst ungewöhnlich, daß eine Transplantation so früh nach einem akuten Nierenversagen vorgenommen wurde. Normalerweise wartete man selbst in schweren Fällen mehrere Monate ab und hoffte, daß sich die natürliche Nierenfunktion allmählich von allein wieder einstellen würde. Bei diesem Patienten war aber schon früh abzusehen, daß das nicht der Fall sein würde. Seit seiner Ankunft in der Klinik mußte er mindestens dreimal pro Woche die strapaziöse Dialyse über sich ergehen lassen.
Jetzt, mehr als sechs Wochen nach der verhängnisvollen Pilzmahlzeit war immer noch nicht das leiseste Anzeichen einer Besserung zu erkennen. Die Filterfunktion seiner Nieren war erlahmt aufgrund der entzündlichen Zerstörung sämtlicher Nierenkörperchen. Der harnpflichtige Müll seines Körpers wurde nicht mehr entsorgt. Die sonst ebenso unmerklich wie unermüdlich arbeitenden bohnenförmigen Organe verweigerten gnadenlos und vollständig den Dienst.
Der Patient drohte an seinen eigenen Ausscheidungen regelrecht zu ersticken.
Gleich gehts weiter
Tintling 2010