Mauspads mit Pilzen

 

Die Tennisclique traf pünktlich um sechs Uhr zusammen.
Es würde heute eines der letzten Matches werden, bevor die ganze Tennisanlage im langen Winterschlaf versinken würde. Die lustige Herren-Riege wurde von allen „Die Ärzte“ genannt. Der Name war eine Folge der internen Bezeichnung des Clubheimwirtes. In seinem Terminkalender stand für den Montag eben „Die Ärzte“. Als solche wurden sie angesprochen, als solche wurden sie von allen, die in irgendeiner Weise mit ihnen zu tun hatten, im Geiste und in der Realität benannt. Was lag näher, als diese Bezeichnung zu übernehmen, als sich die Gemeinschaft zu regelmäßigen Treffen und zu einem Eintrag ins Vereinsregister entschloß. Niemand hätte ansonsten ohne Kenntnis der Tatsachen in der fröhlichen und natürlichen Gesellschaft eine Gruppe altgedienter Mediziner vermutet.
Sie handelten nach dem Motto „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“. An ihrem geliebten Tennismontag ließen sie alle Gedanken an Kranke und Praxisstreß hinter sich und wollten nur noch spielen. So auch heute. Dabei hielten sie sich zu dieser Jahreszeit und wegen der früh einbrechenden Dunkelheit mehr im Clubheim auf als auf den drei Plätzen, die sie Montag für Montag exklusiv für sich belegt hatten. Der Wirt brachte gerade die dritte Getränkerunde, als einer der Mediziner, ein niedergelassener praktischer Arzt, unbedingt etwas aus seiner Praxis vom Stapel lassen mußte. Das war gegen die Regel und erst recht gegen die Gepflogenheiten und forderte unmittelbar den Protest der Tennisfreunde heraus. „Keine Malaisen bitte“ ließ sich Dr. Schönmann vernehmen und andere pflichteten ihm entschieden bei. „Jetzt laß den Dieter mal reden“ warf Dr. Branberger ein, der den Allgemeinarzt Dr. Wolf-Dieter Kannengießer privat gut kannte.
„Wenn der so quasselt, wird es schon einen guten Grund dafür geben.

Es geht gleich weiter


Tintling 3/2007 . Mutterkorn