Pilzbücher von Heinz Engel



Die Art, wie sein Vater mit Menschen umging, mißbilligte er zutiefst,

war aber ansonsten der Familie sehr zugetan und sah aus Gründen des Familienfriedens über manches hinweg. Vor allem seiner unterdrückten Mutter zuliebe ließ er gelegentlichen Rebellionsgelüsten keinen nennenswerten Raum. Sie war bis vor ein paar Jahren seine wichtigste Bezugsperson, ohne die er sicherlich seelisch verkümmert wäre, so wie lange zuvor sein Vater. Freilich trat diese intensive Bindung merklich in den Hintergrund, als Karljohan seine erste Freundin nach Hause brachte. Diesbezüglich unterschied er sich nicht von anderen Jungen in seinem Alter.
Mit sechsundzwanzig fand er sogar die Richtige: Ulrike, rothaarig und sommersprossig, pummelig, gescheit, zurückhaltend, ehrlich und geradlinig. Anderthalb Jahre später heirateten die beiden, obwohl sie mit dem unkonventionellen Zusammenleben durchaus zufrieden waren.
Karljohan gab mit der Heirat dem Druck seiner Eltern nach. Sie waren sich in ihrer konservativen Haltung einig und spätestens als das Baby unterwegs war, wären alle Alternativen zur Hochzeit mit Dauerstreß verbunden gewesen. Da er seine Gefährtin ebenso liebte wie sie ihn, war die Heirat auch durchaus kein großes Opfer für die beiden. Die jungen Leute ließen die exklusive Hochzeitsfeier mit nahezu hundert Gästen lächelnd über sich ergehen. Fünf Monate später kam der Nachwuchs. Ein pausbäckiges Töchterchen mit einem dichten rotblonden Haarflaum. Für Karljohan war es ein unbeschreibliches Erlebnis bei der Geburt dabei zu sein und sein Kind im Leben willkommen zu heißen. Seine Ulrike ist ihm seither noch näher als zuvor und auch der restlichen Familie würde langfristig nichts anderes übrigbleiben als sie endlich zu akzeptieren.
Werner Häubling wollte Ulrike zu Beginn ihrer Beziehung ebenso versklaven wie seine früheren potentiellen Schwiegertöchter. Karljohan bewunderte die selbstbewußte Art, mit der Ulrike sich ebenso freundlich wie erfolgreich dagegen gewehrt hatte.
Ulrike hat mit dem Gemüsehandel nicht das geringste zu tun und nach dem Babyjahr würde sie -
zunächst halbtags - wieder in ihren Beruf zurückkehren.
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Zwei Pilzbücher für Kleine und Große