Pilzbücher von Henning Knudsen

 

Kapitel 13,  2. November 1998

„Vierhundert Gramm mal fünfundzwanzig Leute, das macht nach Adam Riese und Eva Winzig zehn Kilo.“
 Der geniale Rechner, Holger Christoffel, schaute triumphierend in die Runde.
„Das heißt aber doch noch lange nicht, daß alle so eine Riesenportion verdrückt haben. Mit der hanebüchenen Kalkulation kommen wir nicht durch.“ Der trotz seiner glänzenden Glatze und dem feuerroten Haarkranz bisher unauffällig gebliebene Beamte machte eine Gegenrechnung auf: „Bei dem Aschenbach, der die restlichen hundert Gramm der Pilze in dem Lokal verspeist hat, war das ausreichend, damit er vielleicht für den Rest seines Lebens nicht mehr von allein pinkeln kann. Wenn du das mit den fünfundzwanzig multiplizierst, kommst du nur auf fünf Pfund.“
Alle schwiegen betreten. Herberger registrierte anerkennend, daß die Leute ihre Hausaufgaben offenbar gemacht hatten. Wie könnten sie sich sonst aus dem Stand an scheinbar nebensächliche Kleinigkeiten erinnern. Wieder einmal mußte er neidlos anerkennen, daß die Methoden seines ungestümen Kripo-Kollegen doch nicht so verkehrt sein konnten.
„Ich hätte da vielleicht eine Idee.“ Nach einer längeren Pause meldete sich Judith Rothermund zu Wort.
Die überschlanke, vielleicht dreißig Jahre alte Beamtenanwärterin ließ durch ihre braun in braun gehaltene sackleinene Müslikleidung erahnen, daß sie bei den Wahlen regelmäßig für dieGrünen votierte.
Als sie sich zu Wort meldete, flogen alle Köpfe zu ihr herum, als wenn sie in der nächsten Minute mit einer Universallösung für alle anstehenden Probleme aufwarten würde.
Fortsetzung folgt
Tintling 1999