Pilzbücher von  Jean Keller

 


Als Karljohan auf die Semmelknödel mit Pfifferlingen stieß, krampfte sich ihm der Magen zusammen.
Nach endlosen Minuten und erst nachdem die Vorspeise serviert wurde, war Karljohan zu einer Konversation in der Lage, soweit man diese überhaupt so nennen konnte. „Ulrike, ich brauche dich, bitte komm zurück.“
„Wie stellst du dir das denn vor? Ich kann auf Dauer nicht in einem Wust von Lügen leben.“
„Bitte laß mir noch etwas Zeit, Ulrike.“
„Es ist nicht nur deine Zeit, sondern auch meine. Außerdem habe ich dir genug davon gegeben, ohne daß du irgendetwas anderes gemacht hättest als vor dich hin zu leiden und Tabletten zu schlucken. Meinst du denn, daß sich die Situation von allein verbessert? Du wirst aktiv werden müssen, sonst gehst du vor die Hunde. Schau dich doch nur mal an. Wenn du dich nicht befreien kannst, dann mußt du eben mit der Situation zurechtkommen. Nach einem Jahr kannst du dich wieder im Spiegel betrachten und ansehen, was du dann aus dir gemacht hast. Selina und ich haben darauf keinen Einfluß.“
„Doch. Ohne euch beide schaffe ich das nicht. Ich war eben bis jetzt noch nicht fähig, mich gegen meinen Vater aufzulehnen und damit meine Mutter in den Abgrund zu stoßen. Bitte gib uns noch eine Chance.“
Ulrike dachte daran, daß mit dem kommenden Sonntag der zweite Advent vor der Tür stand und gleichzeitig die kleine Selina ihren ersten Geburtstag erleben würde. Selbstverständlich belastete sie die Trennung. Weit mehr sogar, als sie es sich eingestehen wollte. Heute nachmittag, als sie ein paar Kisten mit Kleidung zusammenpackte, war ihr die kleine Kerze für Selina´s Torte in die Hand gefallen. Traurig hatte sie daran gedacht, daß Karljohan nicht mitbekommen würde, wenn die Kleine die Kerze auspustete. Der Gedanke an Weihnachten verstärkte das heulende Elend noch, obwohl sie zu dem ganzen übertriebenen Klamauk ein eher distanziertes Verhältnis hatte. Keine Frage, sie liebte ihren Mann. Das alles ging ihr durch den Kopf, als sie sich sagen hörte: „Ok. Bis Jahresende. Aber dann muß deine Entscheidung gefallen sein. Ich werde bei aller Liebe keine dauerhaften Unwahrheiten dulden und nicht mitansehen, wie du selbst allmählich daran zugrunde gehst. Wenn nichts geschieht, werde ich Silvester nicht mit dir verbringen.“
Fortsetzung folgt . Hinweis für Eilige .  zum Tintling .