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Pilzbücher von Nils Lundqvist



„Was will uns der Künstler damit eigentlich sagen?“ rätselte Herberger.
„Er will sagen, daß immer mehr, immer größere und immer teurere Behandlungsformen für jeden selbstverständlich geworden sind und im Bedarfsfall von jedem verlangt werden. Unser Gesundheitssystem ist an seinen Grenzen angelangt.“ „Finanziell oder was?“ „Ja natürlich. Was zahlst du im Monat für deine Krankenversicherung?“ „Achthunderfünfzig Mark.“ „Und wenn du eine Brille brauchst oder einen Stiftzahn, dann kriegst du den trotzdem nicht, ohne daß du noch etwas drauflegen mußt.“ „Stimmt leider.“ „Schau, das ist doch nicht in Ordnung. Du zahlst weit über achthundert Mark im Monat und wenn du mal eine Schachtel Pillen brauchst, dann mußt du noch einen Zehner drauflegen. Ich meine, daß du deine virilitätsfördernden Stärkungsmittel selber zahlen mußt, das ist ja ok, dagegen habe ich nichts.“
„Hey du Kanaille, jetzt wirst du aber unverschämt.“
„Ok, ich nehme es mit dem Ausdruck des tiefen Bedauerns zurück. Grundsätzlich dreht sich mir etwas um, wenn ich sehe, daß achtzig Prozent der Gelder, die von den Krankenversicherungen zwangsweise eingesammelt werden, in die Extremmedizin gesteckt werden. Es werden Milliarden aufgewendet, um einen vierundachtzigjährigen fünfundachtzig werden zu lassen und um dreihundertfünfzig Gramm leichte Frühgeburten gewaltsam und unter jahrelangen, gräßlichen Leiden aufzupäppeln. Und wenn ein Geringverdiener ein neues Gebiß braucht, dann kriegt er das nicht, weil er es sich finanziell nicht leisten kann. Und das, obwohl er von seinem ohnehin schon geringen Einkommen mehrere Hundert Mark für die Krankenkasse abzwacken muß.“
Aus dem Roman Tödliche Pilze. Wird an anderer Stelle innerhalb dieses Pilzbuch-Ordners fortgesetzt. 

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