Pilzbücher von Renate Zeltner



Selbst dem begriffsstutzigsten Ermittler-Azubi war die Veränderung in Karljohan´s Wesen nicht entgangen.
 Zwangsläufig war er in der Folge die Hauptzielscheibe für den Wissensdurst der Belagerer.
Bisher beantwortete der Junior die lästigen Fragen einsilbig und unverbindlich. Häubling senior fragte sich, wann Karljohan wohl die Nerven verlieren würde. Irgendwann nach acht oder zehn Tagen hatte er die Geduld verloren. Er schickte den Jungen kurzerhand nach Hause. Nicht, daß er Mitleid gehabt hätte mit seinem Filius und seiner gestreßten Seele, mitnichten. So etwas kannte der Rohling nicht, hatte er selbst in seiner Jugend doch nur Kälte und Härte erfahren und jegliche Gefühlsregungen im Keim erstickt.
Vielmehr machte er sich Gedanken darum, daß sich das lenorweiche Sensibelchen mit irgend einem Wort, irgend einer Geste verraten und als Verursacher der Katastrophe entlarven würde.
Folglich bekam er den Auftrag im Lager nach dem Rechten zu sehen, notwendige Renovierungsarbeiten durchzuführen und wie bisher den Wareneinkauf zu besorgen. Was war nur aus dem stolzen und selbstbewußten Jungen für ein jämmerlicher Waschlappen geworden. Der Alte schaute ihm kopfschüttelnd und verärgert nach. Werner Häubling gehörte nicht zu den Menschen, die einen eigenen Anteil Schuld an der Entwicklung der Dinge suchten. Karljohan machte Dienst nach Vorschrift und hoffte ansonsten, daß sich im Laufe der Zeit alles irgendwie von selbst erledigen würde. Das tat es aber nicht.
Nachmittags ging er zum Arzt, mehrmals pro Woche. Der machte zunächst nicht lange Federlesens, sondern verordnete ein Antidepressivum für tagsüber und ein Schlafmittel für die Nacht.
Für den Mediziner schien es sich nur um „einen vorübergehenden Zustand erhöhter psychischer Belastung“ zu behandeln. So stand es jedenfalls, wie später zu erfahren sein würde, in der Krankenkartei des Hausarztes.
Im Verlauf der Wochen wurde ihm eine Psychotherapie nahegelegt.
Doch davon wollte der Patient zunächst nicht viel wissen. Abgesehen davon kannte er sein grundlegendes Problem ja. Mit Hilfe der Psychopharmaka vegetierte Karljohan in einer Art Schwebezustand viele Tage vor sich hin. Um ihn herum war eine trügerische Atmosphäre jenes Friedens, den Optimisten für einen solchen halten mögen, der jedoch keiner war. Im Gegenteil.
Fortsetzung folgt - an anderer Stelle. Hier ein Hinweis für Eilige.