Pilzbücher von Steven L. Stephenson





Gundula war in der ersten Zeit fast verzweifelt,
zumal ihr Angetrauter keinerlei Verständnis für ihre Nöte aufbringen konnte. „Würdest du dich auch morgens auf dem Markt abrackern, wärest du anschließend müde und würdest schlafen wie ich. Dann hättest du auch keine Zeit auf dumme Gedanken zu kommen.“ So war er, ihr holder Ehemann. So lieb. Dennoch: kein Mensch konnte immer nur unglücklich sein. Jeder würde sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Ausgleich für verlorengegangenes Glück suchen wollen. Erschreckend viele, so wußte sie aus ihrem spärlichen Bekanntenkreis oder von den Kollegen ihres Mannes, verbündeten sich mit dem Freund Alkohol. Sie brauchte dabei nur an den heruntergekommenen Martin Kornbacher zu denken: Früher zu einer einflußreichen Familie gehörend, die ihre Blütezeit einer Keramikmanufaktur verdankte, hatte ihn der Alkohol schon im Alter von vierzig Jahren zu einem bedauernswerten Wrack gemacht. Mittel- und führerscheinlos, getrennt von Frau und Kindern, bestand sein einziger Lebenszweck nunmehr darin, als Vorstandsmitglied in möglichst vielen Vereinen seine Unterschrift unter möglichst viele Vereinsausweise zu setzen. Ein halbseidenes Surrogat für die abhandengekommene Bedeutung als Mensch und Geschäftsmann. Nach Derartigem stand Gundula nicht der Sinn. Im Gegenteil: Die Ersatzbeschäftigung, die sie sich gesucht und schließlich gefunden hatte, vertrug sich weder mit benebelnden Getränken noch mit unerwünschter Öffentlichkeit.

Fortsetzung folgt - an anderer Stelle. Hier ein Hinweis für Eilige.

Tintling 81 mit dem Gelbhütigen Steinpilz Boletus venturii Umschlag von Tintling 81 mit dem Gelbhütigen Steinpilz Boletus venturii .

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