Pilzbücher von Wolfram Braune



Kapitel 20 Mai 1999

Die Dämmerung war inzwischen längst einer wolkenlosen Helligkeit gewichen.
In einer guten Stunde würde der Stand vor lauter Kunden fast nicht mehr zu sehen sein. Dieses herrliche Wetter mitten im Mai würde alle Gartenbesitzer außer Rand und Band sein lassen. Die Eisheiligen waren vorbei und heute würden Jungpflanzen von Tomaten, Zucchini und Gurken die Renner sein.
Im LKW waren fahrbare Gittercontainer voll von diesen Gewächsen. Man konnte sie über die hydraulische Hebebühne ohne allzugroßen Kraftaufwand direkt an den Stand befördern. Selbst die Mädchen konnten das, wenn sie zu zweit anpackten. Wenn sie sich nicht zu ungeschickt anstellten, während sie die Rollen über den Verbundsteinbelag lenkten. Am Stand drängten sich schon zahlreiche ungeduldige Kunden, als die vorletzte Reihe der Rollcontainer abgeladen wurde. Plötzlich gellte ein markerschüttender Urschrei, wie er nur aus einer Frauenkehle kommen konnte, über den ganzen Markt. Im Nu waren zehn, zwanzig Leute dorthin gerannt, wo der Schrei seinen Ursprung hatte. Die Hinzugeeilten sahen alle das gleiche: Karljohan hing mit gebrochenem Genick zwischen zwei Containern im hintersten Teil des Lasters.
Der Strick um seinen Hals reichte zu einem Haken am Kühlaggregat in der Wagendecke.
Es geht gleich weiter
Tintling 2003

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