Rötender Saftwirrling Abortiporus_biennis

Rötender Saftwirrling Abortiporus biennis

Pilzbücher von Edmund Garnweidner

 

Wie auch immer: auf der anderen Straßenseite, schräg gegenüber gibt es einen Gemischtwarenladen.
Ich kenne die ehemalige Pächterin privat ganz gut. Na ja, sie kämpfte in dem kleinen Dorf ums Überleben, immer am Rand der Pleite, wie es halt so ist. Und irgendwann, ich glaube Ende des letzten Jahres, hatte sie beschlossen, Lebensmittel, so auch frisches Obst und Gemüse, ins Sortiment aufzunehmen. Daß die damit dem drohenden Konkurs entgegenwirken wollte und mußte, das sah Herr Häubling nicht“ wobei sie ihrer Abscheu durch eine Kopfbewegung in die Richtung des Standes noch zusätzlichen Nachdruck verlieh, „wohl aber die unliebsame Konkurrenz zu seinem Gemüseverkauf auf der anderen Straßenseite. Wollen sie wissen, was er daraufhin gemacht hat? Er hat das ganze Haus kurzerhand gekauft und der Pächterin die Miete verdoppelt. Diese mußte dann aufgeben, anschließend den Konkurs anmelden und lebt seither von der Sozialhilfe.“

„Ist ja interessant. Und weiter?“ „Nichts weiter. Außerdem brauchen sie ja nur da raufzugucken. Der hat die ganze Marktreihe allein für sich. Bevor der da war, hatten dort drei Stände Platz. Weiß der Teufel, wie es dieser Großkopfert gedreht hat: der hat die ganze Breite des Platzes einfach belegt und die anderen mußten sich was anderes suchen. Aber mit dem Geschäft in Fischbach damals, das war schon ein Hammer. Schmeißt jemandem, der eigentlich nichts anderes will, als nochmal auf die Füße zu kommen, Knüppel zwischen die Beine. Und völlig sinnlos, weil die paar billigen Salatköpfe in diesem Fall seinem gefräßigen Säckel überhaupt nichts weggenommen hätten. Schlimm schlimm.“ Die Frau hatte sich in Rage geredet. „Daß das Verhalten von Häubling senior so nicht in Ordnung war, das fand wohl auch der Sohn. Wissen Sie, der Junge, der ist ja ganz in Ordnung, der kommt mit jedem gut aus, aber er muß ja trotzdem nach der Pfeife des Alten tanzen. Nach der Aktion damals hat er sich quergestellt und es sah eine ganze Weile so aus, als würde er seiner eigenen Wege gehen wollen. Aber dann haben sie sich wohl doch nochmal zusammengerauft. Aber was erzähle ich Ihnen. Das hat mit den Pilzen ja gar nichts zu tun.“

„Ist trotzdem gut zu wissen.“ Überhaupt, wenn sie wirklich Informationen über den brauchen sollten, dann fragen sie doch den Schluderberg dahinten, der da Wurst und Fleisch verkauft.“ Sie zeigte mit dem Finger zu einem Stand, der dem Beamten wohlbekannt war. „Der Phillip Schluderberg kennt den besser. Oder fragen sie den Otmar Schreier, der ist aber heute nicht hier. Hat genau so viel Kohle wie der da oben und ist genau so rabiat. Soweit ich weiß, feiern die gelegentlich zusammen irgendwelche Feste in Häubling´s Haus in Frankreich. Die sind sogar schon zusammen in Urlaub gefahren.“
 
An anderer Stelle gehts weiter mit den tödlichen Pilzen.

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