Pilzbücher von Helmut Gams




Es war gerade so, als hätte ihm die immer höher in den wolkenlosen Himmel steigende Sonne

mit ihrem allerletzten Blendstrahl den einzig richtigen Weg gezeigt. Ja, so würde er es machen.
Ihm würde niemand etwas anhaben können. Er hatte soeben eine wichtige Entscheidung getroffen. In fast unbeschwerter Gemütsverfassung verbrachte Karljohan den Rest des Arbeitstages. Von einer Minute zur anderen schlug seine Stimmung um, ja sie verkehrte sich sogar ins Gegenteil. Es war nicht zu fassen. Für seinen Erzeuger war das sehr angenehm, denn mit einem normal funktionierenden Sohn ließ es sich eindeutig besser arbeiten als mit einem, der sich selber nicht leiden mochte. Als der Nachmittag vorüber war, die Ware an die Geschäfte verteilt und der LKW für den morgigen Markt in Sulzbach gerichtet war, hatte zumindest der Vater das Gefühl, daß es mit Karljohan endlich wieder aufwärts ging. Das Gefühl hatte Karljohan auch. „Bis morgen“ verabschiedete sich Werner Häubling, als er sich mit Gundula in den PKW setzte und in Richtung Gallien entschwand.
„Bis morgen“ rief ihm Karljohan wohlgelaunt nach.
Am nächsten Morgen war zu Werner`s Überraschung kein Karljohan zu sehen.
Das Garagentor war geschlossen, Karljohan´s BMW stand an seinem gewohnten Platz.
Häubling senior ging nach oben, in der Annahme, daß sich der Filius verschlafen hatte. Nicht, daß er darüber verärgert gewesen wäre, keineswegs. Denn erstens hatte sich Karljohan in den vielen Jahren der Zusammenarbeit höchstens drei- oder viermal verschlafen, was ja eine außerordentlich gute Quote ist.
Zweitens war er gestern so wohlgelaunt und aufgeräumt, daß die positive Wirkung auf den Vater noch heute früh anhielt. Er klopfte an die Schlafzimmertür, nachdem er sich mit seinem eigenen Schlüssel Eingang in die Wohnung verschafft hatte. Das war ja eigentlich widerrechtlich und schon gar nicht gentlemanlike,
aber er war hier schließlich der Boß. Ihm gehörten die ganzen Mauern, also würde er auch reingehen können, wann er wollte. Während er noch über diese haarsträubende Beeinträchtigung seines Tagesablaufes sinnierte, trudelten so nach und nach die jungen Adjutantinnen mit ihren Körbchen und Täschchen ein.
Schon immer hatte er sich über den Inhalt dieser Utensilos lustig gemacht. Es war erstaunlich, was diese Hühner alles brauchten, um einen einzigen Vormittag auf dem Markt lebendig zu überstehen.
Den gemeinsamen Nenner, das hatte er im Laufe der Jahre herausgefunden, bildete ein Labello und die Handcreme. Nicht, daß mal Kälterisse des Äußere der empfindlichen Geschöpfe verunzieren würden...
Heute würden sie richtig anpacken müssen. Hoffentlich hatten sie auch ihre Arbeitshandschuhe dabei.
Karljohan war nämlich nicht da.
Fortsetzung folgt
. Die Geschichte der Mykologie .