Pilzbücher von Jens H. Petersen



Abgesehen davon hast du ja mitgekriegt, wie er sie behandelt.
Wie er sie schlägt, wenn es ihm danach ist. Daß sie es ausbaden muß, wenn es in der Familie oder in der Firma irgendein Problem gibt. Nein, meine Mutter wäre die Leidtragende und niemand sonst.“
„Kannst du mir mal verraten, wieso die überhaupt noch bei ihm ist?“
„Was hätte sie denn für eine Alternative in ihrem Alter? Nichts gelernt, keinerlei Berufserfahrung, völlig mittellos. Früher, vor fünfundzwanzig Jahren, da hätte sie ihm vielleicht den Rücken kehren und sich ein neues Leben aufbauen können. Aber damals nannte man eine Trennung in einem solchen Fall „Böswilliges Verlassen“ und geschieden zu sein war etwas anders als heute.“
„Hat schon mal jemand gesagt, daß mein Schwiegervater ein Schwein ist?“
„Er ist mein Vater, trotz allem. Außerdem verdanken wir ihm einen komfortablen Wohlstand.“
„Er ist einer, der dich kaputtmacht. Einer, der buchstäblich über Leichen geht.“
„Trotzdem, er und meine Mutter gehören genauso zu meiner Familie wie du und Selina. Wir müssen eine andere Lösung finden.“ Mit diesen Worten umschlang Karljohan seine Ulrike wie ein Ertrinkender und fing auf einmal hemmungslos zu weinen an. Seine ganze Anspannung verschaffte sich in einer Flut von Tränen Bahn. Ulrike ließ ihn gewähren und streichelte ihm mitleidig den Rücken. Aber bei allem angebrachten Mitgefühl: Sie würde diese Schuld in keinem Fall auf sich und ihr Kind laden. Der Preis dafür war ihr eindeutig zu hoch. „Schlafen wir erst einmal darüber“ sagte sie nur.

Fortsetzung folgt - an anderer Stelle. Hier ein Hinweis für Eilige.

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