Pilzbücher von Luce Höllthaler


 

Gundula indes war seit ein paar Wochen merkwürdig verändert.

Oder bildete er sich das nur ein? Seine Aggressionen perlten an ihr ab wie Jauche an der Marmorstatue. Sie gab unverbindlich-freundliche Antworten und glänzte ansonsten häufig durch Abwesenheit. Was war nur los? Häubling packte urplötzlich das überwältigende Gefühl sein Leben nicht mehr im Griff zu haben. Wohin er auch blickte, alles schien ihm zu entgleiten. Er zwang sich zur Ruhe. Klar denken, keine Panik. Nicht wegen des blöden altpapierenen Briefes vom Finanzamt. Was würden sie ihm schon anhaben können? Ein paar Steuern würde er vielleicht nachzahlen müssen und hätte anschließend die Absolution für die vergangenen zehn Jahre. Vielleicht würden sie sich auf einen Vergleich einlassen, falls sie überhaupt etwas fänden. Hier in seinem Haus in Frankreich war er sicher. Das was hier stand, würde ihm keiner wegnehmen können. Deshalb hatte er ja hinter die Grenze gebaut. Länderübergreifende Kooperationen gab es nach wie vor so gut wie keine, trotz des vereinten Europa. Häubling brachte ein schiefes Grinsen zustande, wenn er daran dachte, mit welchem Wust an Verwaltungskram schon eine simple Banküberweisung bei den Galliern belegt wurde. Nein, hier würden sie ihm nichts anhaben können. Trotzdem hatte ihn ein eisiger Schreck durchzuckt, als ihm nach dem Markt der Brief mit dem Absender Finanzamt und der handgeschriebenen Adresse auf seinem Schreibtisch im Büro boshaft entgegenblinkte. Er wußte sofort, daß nur Unheilverkündendes darin stehen konnte und er fragte sich, ob Gundula ihn mit Absicht nach oben gelegt hatte.
Er drehte ihn hin und her, bevor er ihn mit zittrigen Fingern öffnete.
„Ja bin ich denn bescheuert?“ schalt er sich selbst halblaut.
Er hatte doch keine Angst vor dem Finanzamt.
Er doch nicht.
Ein weiteres Häppchen des pilzigen Kripomanes folgt an anderer Stelle

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