Apfel-Täubling Russula paludosa

Apfel-Täubling Russula paludosa
 
Meike Piepenbring ist eine deutsche Universitätsprofessorin, die sich vornehmlich mit Rostpilzen und anderen Phytoparasiten und Pflanzenpathogenen befasst.
Sie war 2008 Präsidentin der DGfM und schied 2009 aus dem Präsidium aus.
In Tintling Nr. 72 gab es ein Interview mit ihr.

Pilzbücher von Meike Piepenbring


Nachdem sich alle im Eßzimmer versammelten, stand der Senior noch einmal auf, suchte seinen Taschenrechner im Büro und addierte während des Essens endlose Zahlen. Er merkte gar nicht, was er da eigentlich aß. Hätte er es gemerkt, wäre ihm wahrscheinlich in erster Linie aufgefallen, daß der Gewinn des heutigen Tages noch unwesentlich hätte gesteigert werden können: wenn es nämlich statt Steinpilzen Blumenkohl gegeben hätte. So aber verkündete er mitten im Hauptgang die sensationelle Tatsache, daß er es erstmalig seit Bestehen der Firma geschafft habe, sein persönlich bestes Betriebsergebnis zu übertreffen. Das Verhältnis von Nettowarenwert zu Umsatz verhielt sich wie eins zu fünf. Sogar etwas mehr. Mehr als die fünfhundert Prozent Gewinn also, die er damals als unselbständig tätiger Marktgehilfe für seinen Brotherrn erlöste. Sicher dachten alle außer der kleinen Selina das gleiche: Nichts könnte eine stärkere Gefühlsregung in Werner Häubling bewirken als dieses Resultat. Er fühlte sich in alte Zeiten zurückversetzt. In die Zeiten, in denen es darauf ankam, überhaupt Ware zu beschaffen und den Bedarf zu decken. Einfallsreichtum und Flexibilität waren da in erster Linie gefordert. Er war elektrisiert, sprach wie im Fieber: „Karljohan, du mußt gleich nach dem Essen zu Fähner fahren. Ich übernehme den Schinkler und den Raubuch. Und den Fossier könntest du vielleicht dazu bewegen, uns noch heute abend etwas zu bringen.“ Karljohan seufzte. Zum einen war er rechtschaffen müde nach den schlaflosen Montag und hatte sich auf einen geruhsamen Nachmittag mit Ulrike und der Kleinen gefreut. Zum anderen konnte er den Blick in den Augen des Bosses allzugut deuten, um zu wissen, was einer Verweigerung in diesem Fall folgen würde: ein Krach, der schlimmer war als zehn verlorene Nachmittage. Also fügte er sich in sein Schicksal und klemmte sich nach dem Essen ans Telefon. Monsieur Fossier war nicht zu Hause; er ginge im Forêt de Haguenau seinem Gewerbe nach. Um fünf Uhr wäre er sicher zu erreichen, ließ ihn seine Frau wissen. „Bitte Madame, richten Sie ihm aus, daß wir Ware von ihm benötigen, vielleicht kann er uns welche bringen. Ich rufe um fünf Uhr wieder an.“
Andernorts in dieser Abteilung wartet die nächste Folge
Nach Hause zum Tintling .