Pilzbücher von Olle Persson

 

„Woher hast du denn all die Kenntnisse?“ fragte Herberger neugierig.
„Weißt du, wenn man tagelang nichts anderes macht als den Berichten der Mitarbeiter zu lauschen, bleibt schon mal was hängen. Der Tod der Renate Köst war übrigens eher ungewöhnlich und ist einer Reihe von aufeinanderfolgenden Ereignissen zu verdanken. Zum einen war die Dame außergewöhnlich fettleibig und machte gerade eine ziemlich extreme Diät. Da war der Stoffwechsel ohnehin in Aufruhr. Zum anderen hatte sie offensichtlich eine erhebliche Menge der Pilze vertilgt. In dem Restaurant wurden nämlich an dem Abend nur zwei Portionen des Filetsteaks mit Pfifferlingen serviert. Der eine der beiden, Heribert Aschenbach, liegt im Krankenhaus, wie du weißt.“ „Und wer ist der andere?“
„Der andere ist eine Dame und der haben die Pilze nicht geschmeckt.
Sie hat sie daher auf dem Teller liegengelassen. Das hat eine der beiden anderen Küchenhilfen ausgesagt. Moment, wie heißt sie noch?“ und blätterte in dem Stapel Papier herum. „Elvira Wilbers, ja. Das war die kleine Magere mit dem vertrockneten Gesicht. Weißt du, was die uns erzählt hat? Die dicke Köst hat die zurückgehenden Pilze von dem benutzten Teller einfach aufgegessen. Sie fand sie göttlich. Und als der letzte Gast mit Essen versorgt war und noch immer der Großteil der winzigen Exklusivpilze übrig geblieben war, hat sie sich die kurz vor Feierabend in die Pfanne gehauen, und zwar alle. Sogar noch mit zwei Spiegeleiern drauf. Die Mahlzeit hat sie anschließend voller Heißhunger restlos verputzt. Sie sagte noch: „Morgen ist ja Ruhetag und bis übermorgen sind die Pilze eh hin.“ Nach drei Tagen hat sie sich krank gemeldet und ist nach weiteren zwei Tagen in der Klinik gestorben. Sie kam zu spät und war zu krank, da hat nichts mehr geholfen.“
Die beiden Männer sinnierten sekundenlang vor sich hin, bis Rambetzky erneut das Wort ergriff:
Fortsetzung folgt - an einer anderen Stelle
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