Pilzbücher von Peter Handke



So wie ein Fuchs im Hühnerstall erst Ruhe gibt, wenn alle Hühner tot sind, so hört ein Pilzsammler in seiner archaischen Primitivität erst auf mit Raffen, wenn kein einziger Pilz mehr da ist oder wenn er unter seiner Last zusammenbricht. Pilze-Edi riß sich aus seinen schwelgerischen Gedanken und wälzte seinen massigen Körper vom Fahrersitz. „Pfifferlinge werden schon knapp, die haben ihre Saison eigentlich hinter sich. Hast du Interesse daran?“ Karljohan setzte einen gelangweilten Gesichtsausdruck auf. „Ja, vielleicht, aber mehr noch an den Steinpilzen. Wie iss´n der Preis?“ Edi ließ sich nicht ablenken, er hatte den Blick auf die Pfifferlinge richtig gedeutet. Es war jedesmal das gleiche Spiel: zwei ausgekochte Schlitzohren, die mit undurchdringlichen Pokergesichtern den jeweils anderen zu übervorteilen suchten. Am Schluß hatte Karljohan sämtliche Pfifferlinge und fünf Kisten Steinpilze erstanden und er hatte nahezu den Preis zahlen müssen, den Edi gefordert hatte. In bar natürlich. Zähneknirschend lud er die Kisten in den Kombi. Nicht daß er ein schlechtes Geschäft gemacht hatte - mitnichten; von den Pilzen würde morgen abend keiner mehr da sein und der Gewinn würde sich sehen lassen können. Aber es wäre ihm eindeutig lieber gewesen, wenn er hundertfünfzig Mark weniger hätte zahlen müssen.
Fortsetzung folgt - an anderer Stelle. Hier ein Hinweis für Eilige.

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