Pilzbücher von Aurel Dermek



Aurel Dermek (1929–1989) war ein slowakischer Mykologe.
Er verfasste folgende Pilzbücher: Na¹e huby (1967), Hríbovité huby (1974), Poznávajme huby (1974), Atlas na¹ich húb (1977) und Malý atlas húb (1980).

Er war fast am Verzweifeln. Das Handeln war extrem schwierig geworden.

So schwierig, daß er an manchen Tagen nicht einmal auf seine Kosten kam. Man mußte jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen. Und nicht nur das. Auch die Kunden schienen sich von den Inspektoren fernhalten zu wollen. Sie beobachteten das Geschehen aus sicherer Distanz, spekulierten, tuschelten - und kauften bei seinem Mitbewerber gegenüber. Mittlerweile konnten sie sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, daß an den Gerüchten um die Giftpilze etwas dran sein müsse. Schlußendlich hatte Häubling in den letzten Wochen mehr Behördenbesuch ertragen müssen als der Schluderberg in seinem ganzen Berufsleben. Sein Rechtsanwalt hatte ihm keinerlei Hoffnung gemacht eine einstweilige Verfügung gegen die Kontrollen erwirken zu können. Allenfalls könne er - im Anschluß an einen Freispruch (von dem er selbstverständlich nach wie vor ausging) - Schadenersatz verlangen. Er würde dafür seine Umsätze in entsprechenden Vergleichszeiträumen darlegen müssen und es würde darüber in einer gesonderten Verhandlung entschieden werden müssen.
Äußerst unangenehm, das alles. Häubling fühlte sich arm wie eine Kirchenmaus, ja sogar hart am Rand der Pleite. Das war natürlich eine subjektive Empfindung, die jeder Grundlage entbehrte. Nach menschlichem Ermessen hatte er seine Schäfchen längst im Trockenen. Um den finanziellen Teil seines Lebens brauchte er sich eigentlich keine Sorgen zu machen. Dennoch tat er es. Es scheint das Schicksal aller Reichen zu sein, daß ihnen nichts mehr Sorge bereitet als der Gedanke, einmal von der Substanz leben zu müssen. In der Hinsicht waren offenbar alle Erkenntnisse in die ausgeklügelten Gesetze der Natur nicht mehr gültig. Während er so in seinen neurotischen Gedanken versunken war, merkte er gar nicht, daß er heute überhaupt keinen Behördenbesuch erhielt. Es fiel ihm erst gegen halb zwölf auf, als er - der naßkalten Witterung und des entsprechend schlechten Umsatzes wegen - schon ans Einpacken dachte. Sollten sie von ihm abgelassen haben?
Waren sie etwa flügellahm geworden?
Soweit er es beurteilen konnte, und soweit er hoffte, hatten sie mit Sicherheit nichts herausbekommen, was ihren Untersuchungen hätte dienlich sein können. Kein Wunder, er hatte sich ja auch nichts zuschulden lassen kommen.
Als er den Anhänger mittags in die Garage fahren wollte, war das Tor zu.

Gleich gibts ein weiteres Kapitelchen Tödliche Pilze

Tintling 3/2013


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