Pilzbücher von Ernest John Pieper



Herberger hatte schon seit einigen Sekunden die blinkende Anzeige seines Autotelefons registriert und nahm noch während des Dialoges den Hörer ab. Es war die Zentrale seiner Dienststelle, die ihn mit Frau Findeisen verband. Der Inspektor hörte wortkarg zu und legte schließlich wieder auf. Zu Christoffel gewandt:

„Es sind mittlerweile insgesamt neunzehn Vergiftete.

Aber es kommt noch schlimmer: eine Frau, Renate Köst, ist vor einer Stunde gestorben.
Und nun halt dich mal fest. Die arbeitete im Wellinger Hof.“ Es brauchte keine Aufforderung, um die beiden unvermittelt in das Restaurant zurückkehren zu lassen, nachdem Herberger noch einen kurzen Anruf bei seinen Kollegen von der Kripo getätigt hatte. Claus Morgner war gerade damit beschäftigt die letzten Mittagsgäste zu verabschieden und die Beamten drängten ihn nicht zur Eile. Das war auch nicht notwendig, denn beim erneuten Anblick der beiden Männer faßte er sich ohnehin kurz.
„Gibt es was Erhellendes für unsereins?“ fragte er und sein aufgesetztes Lächeln wirkte reichlich verkrampft.“
 „Nein, leider nur Düsteres: Renate Köst ist heute morgen an einer Pilzvergiftung gestorben.“
Reinhold Herberger beobachtete die Reaktion des Gastronomen. Der große, selbstbewußte und gutaussehende Mann war wie ein Taschenmesser in sich zusammengeklappt und ließ sich auf den nächstbesten Stuhl fallen. Eine graugesichtige Jammergestalt, die jetzt vollends gebrochen wirkte.
Es war nicht auszumachen, was in seinem Kopf vorging, aber Herberger konnte sich lebhaft vorstellen,
daß Flucht, Auswanderung und Selbstmord mit im Repertoire seiner düsteren Gedanken waren.
Die drei Männer waren nunmehr die einzigen Leute im Lokal.
Es geht an anderer Stelle weiter
Taphrina - Narren in der Vorsaison

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