Stoppeliger Drüsling Exidia_glandulosa

Stoppeliger Drüsling Exidia glandulosa

Pilze, die zu Ehren von Eugen Gramberg beschrieben wurden:
Coprinus grambergii  1920, Agaricaceae
Exidia grambergii Neuhoff 1926, heute Exidia glandulosa, Auriculariaceae
Den Drüsling beschrieb
sein Schwiegersohn Walther Neuhoff zu Eugen Grambergs Ehren

Pilzbücher von Eugen Gramberg



Eugen Gramberg lebte von 1865 bis 1945. Er war Mykologe, Autor und Lehrer.
In letzterer Funktion war er bis zu seiner Pensionierung
Leiter einer Mädchenschule.
In seiner ersten Funktion war er der Ehrenpräsident der Deutschen Mykologischen Gesellschaft. Diese spaltete sich 1933 von der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde ab. Mit in den Reihen der Opposition war Bruno Hennig, Walther Neuhoff, Hans Haas und Albert Pilát

Irreführende Wirkungen des Standortes.
Es ist eine alte Erfahrung, daß die Unterlage der Pilze, gewöhnlich also der Pilzboden, weiterhin aber auch die nächste Umgebung von großem Einfluß auf Gestalt, Größe, Farbe und sogar Geschmack eines Pilzes sind. Im allgemeinen ist es so, daß feuchte Unterlage und Umgebung üppige Fruchtkörper hervorbringen, daß dagegen auf trocknem Boden nur kleine, ja kümmerliche Pilze wachsen. Ferner zwingt ein mit Moos, Gras, hoher Laubschicht usw. bedeckter Boden den hier aufsprießenden Pilz meistens dazu, seinen Kopf auf hohem Stiele zu erheben, während auf kahlem Boden der StieI kurz bleibt. Ich fand einmal eine Gruppe von Mycena marginata, deren Glockenhüte auf 16 - 18 cm hohen Stielen schaukelten; der grasige Boden hatte sie veranlaßt, die Stiele fast aufs Doppelte hochzutreiben. Ähnliche Beispiele hat wohl schon jeder Pilzsammler auch in 
feuchtem Moos gefunden.
Es ist klar, daß man auf diese Erscheinungen Rücksicht nehmen muß, wenn man Irrtümer beim Bestimmen vermeiden will; dies gilt besonders bei Pilzarten, die einander sehr ähnlich sehen. Einmal bin ich auch in einem solchen Falle hereingeplumpst. Zu unserer Pilzausstellung 1924 brachte ein eifriges Mitglied einige wenige schöne Röhrlinge, die er für Boletus fragrans ansah. Mir kamen zunächst Zweifel, da mich die Pilze an Boletus badius erinnerten. B. fragrans kannte und kenne ich heute noch nicht, er ist hier noch nicht gefunden worden. Doch die gebrachten Pilze waren weither geholt worden. Ich verglich nun die Beschreibungen beider Pilze im Vademecum, die ziemlich gleichlautend sind; selbst die Sporenmaße sind, genau dieselben.
Von den angeführten Merkmalen sprachen nun fast alle dafür, daß die mir vorliegenden Pilze fragrans seien; nur "wohlriechend" waren sie nicht. Da es nun mit dem Geruch so eine eigene Sache ist, entschied ich mich für Boletus fragrans. Von badius schieden sie doch gar manche Merkmale: Der Hut feinfilzig, dunkelbraun und am Rande öfters dunkelpurpurn, der Stiel bunt gelb und braunrot, bei allen Exemplaren kurz und eiförmig-knollig, die feinen Poren grünlich-gelb, am StieI eingesenkt. Da kam mir auf einmal eine Erleuchtung: Wenn's nun doch kein fragrans ist und auch kein badius, so mache ich's nach berühmten Mustern und mache aus dem "Mittelding" eine neue species, also Boletus intermedius mihi n. sp .... !
Mein lieber Leser, du brauchst nicht zu erschrecken! Es war nur Spaß! Ich bin ganz deiner Ansicht, daß man nicht bei jeder Abweichung von der Beschreibung, die ein Autor seinem Pilz mitgegeben hat und die nicht alle Form- und Farbenänderungen umfassen kann, eine neue Species machen und die Schwierigkeiten noch vergrößern soll, die ohnedies groß genug sind.  Eugen Gramberg, Z.f.P 1927.  Zum Tintling .



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