Bücher von Christine Jaitner



Wozu sind die Pilze gut?
Formulieren wir es einmal so: Gäbe es von heute auf morgen keine Pilze mehr, würden wir alle in kürzester Zeit im Müll ersticken und hätten keine Lebensgrundlage mehr. Meterhoch würde sich herabgefallenes Laub und abgestorbenes Holz aus dem Waldboden auftürmen; die Bäume und Pflanzen könnten höchstens noch so lange wachsen, bis alle Nährstoffe aufgebraucht wären. Die Sauerstoffproduktion würde eingestellt werden und das wäre es dann gewesen. Und Tschüssss .. ... wenn es nicht die Pilze gäbe.
Denn die Ursache dafür, daß der Wald keine Müllhalde, sondern ein lebendiger, faszinierender Kreislauf von Werden und Vergehen ist, sind zuerst einmal die Pilze. Nur sie, die Zersetzungspioniere mit ihren spezifischen Enzymen, können mit den Riesenmolekülen des Lignins und der Zellulose des Holzes fertigwerden, indem sie diese Stoffe zerlegen und damit den Nachfolgeorganismen mundgerechte Häppchen anbieten.

Pilze, die abgestorbene organische Substanz besiedeln
, Nährstoffe für sich daraus entnehmen und sie in Zusammenarbeit mit anderen Organismen wieder in Humus verwandeln, nennt man Saprophyten - Fäulniszersetzer. Bekannte Beispiele für diese Gruppe von Pilzen sind die Tintlinge und das Stockschwämmchen sowie die meisten der krusten- und konsolenförmigen Baumpilze. Sie haben insgesamt den größten Anteil an der Artenvielfalt der Großpilze. Eine andere große Gruppe sind die Mykorrhizapilze. Das sind Pilze, die mit einem Baum in Symbiose leben und für einen lebenswichtigen Nährstoffaustausch zwischen Pilz und Baum sorgen. Sie sind mit ihrem empfindlichen, mikroskopisch feinen Mycelgeflecht mit den Feinwurzeln des Baumes fest verbunden. Zu den Mykorrhizapilzen gehören nahezu alle Röhrlinge, alle Täublinge und Milchlinge, alle Ritterlinge und alle Schleierlingsverwandten.

Tintling 4/1996 . Zurück zum Index der Autoren