Pilzbücher von Edmund Michael



Edmund Michael (1849-1920) begründete die auch heute noch viel genutzten "Führer für Pilzfreunde".
Die jüngeren Auflagen sind besser bekannt als "Handbuch für Pilzfreunde", kurz MHK.
Das ist ein fast allgegenwärtiges Kürzel für das damals dreibändige, heute sechsbändige Werk, 
das die Autoren Edmund Michael, Bruno Hennig und Hanns Kreisel bezeichnet.

Nachstehend eine ausführliche Besprechung von Julius Schäffer, Potsdam.  
Sie gilt ausschließlich dem Band 2 von 1926,  der seinerzeit von Roman Schulz neu bearbeitet wurde.
Die Rezension war in der Zeitschrift für Pilzkunde Heft 5 von 1927 publiziert
und belegte dort sage und schreibe mindestens 85 - 90 % des gesamten Heftinhaltes.

Führer für Pilzfreunde. Begründet von Edmund Michael, gänzlich neu bearbeitet von Roman Schulz.
Ausgabe B, 2. Band. 152 farbige Abbildungen von Blätterpilzen, ausführliche Beschreibung derselben
nebst Angaben über ihre wirtschaftliche Verwendung. Verlag Förster u. Borries, Zwickau 1926. Geb. 7,50 M.

Vorbemerkung.
Die folgende ausführliche Besprechung lag schon fertig gedruckt vor, als die Nachricht von Roman Schulz´ frühzeitigem Tod eintraf. Ich habe dem so jäh aus dem Leben Gerissenen persönlich nicht nahegestanden. Meine Besprechung gilt seinem Werke, das nunmehr sein Lebenswerk geworden ist. Wenn ich im folgenden aus der Fülle dessen, was Roman Schulz uns an wissenschaftlichen Beobachtungen hinterlassen hat, vorwiegend das Problematische herausgreife, so hoffe ich nicht dahin mißverstanden zu werden, als wollte ich die Verdienste dieses Lebenswerkes verringern. Wir können unsere Toten nicht besser ehren, als indem wir die Arbeit da weiterführen, wo sie diese liegen lassen mußten.
Mit dem nunmehr erschienenen 2. Band des Führers für Pilzfreunde liegen von der dreibändigen Neubearbeitung des Michaelschen Pilzwerkes durch Roman Schulz die Lamellenpilze geschlossen vor. Ich habe es schon einmal gesagt, daß ich den Wert solch populärer Pilzwerke auch für die wisssenschaftliche Pilzkunde hoch anschlage. Auch der naturwissenschaftlich Vorgebildete kann ihrer nicht entbehren zur Einführung. Je tiefer er in die Wissenschaft eindringt, um so dicker wird das Gestrüpp ungelöster Probleme, wo er anfangs glaubte mit Hilfe fertiger Bestimmungsschlüssel sich zurechtfinden zu können.
Um so wichtiger ist es, eine recht breite Basis sicher bestimmter und abgegrenzter Arten zu haben, die wie trigonometrische Punkte zur Orientierung auf unsicherem Boden dienen können. gebührt das Verdienst, mit seinen mehr als 300 Tafeln, deren künstlerische Vollendung vorbildlich nicht bloß in Deutschland, sondern in der Weltliteratur gewesen ist, der deutschen Forschung einen breiten Boden geschaffen zu haben. Man wird es bedauern, wenn man es auch begreifen kann, daß es nicht möglich gewesen ist, den drei vorhandenen Bänden noch einen oder mehrere weitere anzufügen, und man möchte hoffen und wünschen, daß der Erfolg der neuen Bearbeitung doch so ermutigend sei, daß eine Erweiterung in späterer Zeit vielleicht doch noch erwogen werden kann. Schon hatte er den Wunsch, daß in seinem Werk alle wichtigeren Pilzgattungen vertreten sein sollten. Abgesehen von der Gattung Volvaria (red. heute Volvariella), mit der er kein Glück hatte, ist ihm das auch annähernd gelungen. Roman Schulz hat mit Recht den Gedanken, das Werk zu einer Einführung in die wissenschaftliche Pilzkunde auszugestalten, beibehalten und kräftig weitergeführt.
In mancher Hinsicht, so in der Erläuterung und Beschreibung der Gattungsmerkmale, möchte man fast wünschen, daß noch mehr geschehen wäre. Ihm ist das Werk freilich noch mehr, nämlich ein Katheder zum Vortrag eigener Forschungsergebnisse. Die neue Bearbeitung verdient unbedingt höchste Anerkennung. Der Verlag hat zahlreiche neue Tafeln aufgenommen, ein Entgegenkommen, um das mancher Verfasser populärer Pilzbücher Roman Schulz beneiden wird. Auch diese Tafeln sind mit wenigen Ausnahmen meisterhaft gemalt; leider sehen sie manchmal aus, als ob sie nicht immer sofort nach frischem Naturmaterial gemalt worden seien.
Michael selbst hatte seine meisten Bilder im eigenen Haus anfertigen lassen. Der Verlag hat ferner den Preis des Bandes auf 7,50 M. herabgesetzt. Wenn man bedenkt, daß jeder Band durchschnittlich mehr als 125 Bilder enthält, das Bild also noch keine 6 Pfennige kostet!), so ist das für heutige Verhältnisse eine wahrhaft erstaunliche Leistung, der man ebenso reichen Erfolg wie Nachahmung wünschen möchte.
Und was hat der Bearbeiter aus dem alten Michael gemacht! Es ist ein von Grund auf neues Werk geworden.

Edmund Michaels Rezension Teil 2 . Teil 3 . Teil 4

 
Tintling 1996